Schmeckst du das Blut und die Freiheit?

Langsam dreht der Goldfisch seine übliche Runde. Erst hoch, dort wo der von Algen verschmutze Filter mit runden Saugnäpfen am Glas angebracht ist, dann weiter zu der mickrigen Pflanze am unteren Ende des Aquariums. Immer und immer wieder.

Plötzlich zuckt der kleine Fisch und verschwindet so schnell wie möglich unter dem Grünzeug. Erst als er die kleinen roten Tropfen bemerkt, kommt er neugierig wieder hervor. Enttäuscht, dass es kein Futter ist, beginnt er wieder seine übliche Runde zu drehen.

Langsam beginnen die roten Tropfen zu verkrusten, doch der kleine Goldfisch bleibt hungrig. Er beginnt zu träumen, von Gewässern und Weiten, der Freiheit, die er nie hatte. Verzweifelt und am Verhungern, schwimmt er auf die Klinge zu, die zusammen mit den roten Tropfen ins Aquarium fiel. Wenn es sein Mädchen geschafft hat, ihre Freiheit zu finden, konnte er es auch. Wie oft hatte sie ihm versichert, es würde ihr besser gehen, nach diesem Schritt.

Schnell und mit aller Kraft, schwimmt der Goldfisch in sein Verderben… Sein kleiner Körper beginnt Blut zu verlieren… und er beginnt seine übliche Runde.

Nur ist dieses eine Mal, ist es auch sein letztes…

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Spürst du das?

Wenn man jemanden nicht mag, kann man demjenigen aus dem Weg gehen.

Ich kann nicht vor mir selbst flüchten. Auch nicht vor dem Teil meines Ichs, das mir so oft das Leben zur Hölle macht.

Ich habe Schmerzen. Es ist wie Sodbrennen. Nur nicht in der Magengegend, sondern in der Nähe des Herzens.

Ich leide. Und verletze. Mich selbst und andere.

Ein letzter verzweifelter Kuss

Weinend und verzweifelt liegst du in einer Lache Blut. So intensiv und metallisch, du kannst es schmecken, fühlen, sehen.

Ich stehe da, unwissend und unfähig auch nur einen Finger zu rühren. Ich sehe dir in die Augen. So tief, dass sich all jenen Schmerz, der in deiner Seele brennt, am eigenen Leib erfahre.

Ich lass dich gehen. Nicht weil ich keine andere Wahl habe. Aber weil ich deinen Schmerz gespürt habe. Ich werde mich zu dir hinlegen. Bis zum Schluss.

Ich will nicht mehr weinen

„Mamma? Warum weinst du nie?“

„Schatz, Mamma weint innerlich. Ich will stark sein, für dich und Papa.“

„Bin ich schwach?“

„Nein Mäuschen, du bist ein starkes Kind.“

„Aber ich weine doch auch.“

„So war das nicht gemeint, Kleines… Es gibt Menschen im Leben Mara, die vom Leid anderer leben… Wenn sie sehen, dass es dir schlecht geht, dann blühen sie auf.. es ist das was sie wollen.. dass du weinst…“

„Dann will ich auch nicht mehr weinen…“

„Komm zu mir Schätzchen… es ist wichtig, dass du weinst.. dann weiß Mamma wenn etwas nicht stimmt und kann dir helfen.“

„Aber nur wenn du auch weinst, damit ich weiß, dass es meiner Mamma schlecht geht und ich ihr helfen kann….“

„Mara? Ich liebe dich…“

„Mamma? Ich dich auch.“